«Gesundheit ist die Fähigkeit, sich anzupassen»

Aktuell zeigt sich gut, wie anpassungsfähig die Gesellschaft und wir Menschen im Einzelnen sind: In Kürze haben wir in der Corona-Zeit die gesundheitlichen Empfehlungen umgesetzt. Es entstanden neue Netzwerke, unbekannte Nachbarn halfen, und es gab Solidaritäts-bekundungen mit Personen, die Herausragendes leisteten.


«Gesundheit ist die Fähigkeit, sich anzupassen», schrieb der französische Arzt und Philosoph Georges Canguilhem. Das gilt bei allen Krankheiten, bei Behinderungen oder nach Unfällen. Selbst dann, wenn wir das Gefühl haben, nicht mehr klar zu kommen, haben wir noch vieles selber in der Hand: Erinnern Sie sich, welche schwierigen Situationen Sie schon bewältigt haben? Was haben Sie daraus gelernt? Was hat Ihnen geholfen? Sind Sie heute vielleicht besser darin, sich Hilfe zu holen?


Anpassung beginnt im Kleinen: Zum Beispiel, wenn man schlecht zu Fuss ist und sich einen Gehstock zulegt. Wenn man die Zeitung kaum mehr lesen kann und sich eine neue Brille besorgt. Oder wenn man sich eine Reinigungshilfe leistet, statt nach dem Wohnungsputz tagelang unter Schmerzen zu leiden. Es geht immer darum, sich auf die eigene gesundheitliche Situation einzustellen und an seinem persönlichen Lebensgefühl, dem eigenen Glück, zu arbeiten.


Gesundheit und Glück hängen weniger davon ab, wie schwierig eine persönliche Situation ist, als davon, wie man sie wahrnimmt und wie man mit ihr umgeht. Die Kunst besteht darin, sich auf das Gute zu konzentrieren. Diese positive Lebenseinstellung hat der belgische Psychiater Luc Isebaert, in «3 Fragen zum glücklichen Leben» gefasst, die man sich jeden Abend stellen und schriftlich beantworten sollte:


  • Was habe ich heute gemacht, worüber ich mit mir zufrieden bin?
  • Was hat jemand anderes gemacht, worüber ich zufrieden sein kann? Habe ich so darauf reagiert, dass diese Person motiviert ist, es noch einmal zu tun?
  • Was ist mir sonst noch passiert? Was habe ich gesehen, gehört, gespürt, gerochen, was mich zufrieden macht oder wofür ich dankbar bin?


Unser Gehirn hat eine spezielle Fähigkeit: es gewöhnt sich an unsere Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen – im Guten wie im Schlechten. Die Beantwortung der drei Fragen stimmt uns positiv. Uns wird bewusst, dass wir im Alltag kleine Heldentaten vollbringen und stolz darauf sein dürfen. Isebaert sagt, es brauche für eine dauerhafte Veränderung mindestens 21 Tage. Ist das nicht einen Versuch wert?